Aufzucht und Pflege


Wenn man das Glück hat und kann Schildkröteneier ausbrüten, dann sollte man dem Baby Zeit lassen, um sich selbst von der Eischale zu befreien. Dies hat zur Folge, daß sich der Eisack am Bauch besser zurückbildet. Manche Babies kommen sehr verschrumpelt und krumm aus ihrem Ei, doch in kürzester Zeit kommt der Körper von allein in Ordnung.
Schildkröten wissen von Natur aus, was sie brauchen um groß zu werden. Abwechslungsreiche Ernährung, Wärme und Licht sind selbstverständlich. Doch in alten Büchern kann man oft noch lesen, daß Schildkröten Einzelgänger seien. Das stimmt bei den Babies auf keinen Fall. Da wir beides schon erleben konnten, wissen wir, daß mehrere Jungtiere sich zwar auch gegenseitig behindern, aber mindestens so oft gegenseitig helfen, wenn eines umgefallen ist. Und trotzdem bleibt das f6uuml;r uns Menschen die hauptsächliche Arbeit den ganzen Tag aufzupassen, daß keines der Tiere zu lange auf dem Rücken liegen bleiben muß.


Unsere Tiere sind bei gutem Wetter von April bis Oktober im Garten untergebracht.Anfangs nur stundenweise,bis sie sich an die Temperaturen gewöhnt haben.
Die Jungtiere haben ein eigenes Gehege, aber nur, damit wir einen besseren Überblick bewahren können. Tiere, die von klein auf immer ihren Namen hören, gehorchen sogar- manchmal-!
Auf jeden Fall haben sie eine innere Uhr, denn sie finden sich immer zur selben Zeit mittags am Futterstein ein. Ein Wort zum Futter sei mir erlaubt: Bitte kein Hunde- und Katzenfutter mehr geben, es ist wirklich zu eiweißreich und führt zu übermäßigem Platten- wachstum des Panzers. Leider ist das auch uns passiert und deshalb haben wir nun die Nahrung umgestellt. Es gibt viel Löwenzahn, Disteln, Beinwell, Klee und Salat, Gurke, Tomaten (wenig), Melonen, Feigen, Äpfel, Birnen (Obst nur nach Jahreszeit und in geringer Menge!) usw.
Wir haben auch beobachten können, wie die Schildkröten sich auf Knochensplitter gestürzt haben. Von den Lammsteaks sind die Röhren- knochen im Garten durch den Hund verteilt worden, ausgetrocknet und zertreten, gesplittert in scharfe Teile.
Wir hatten einige Tage fürchterliche Angst um unsere Schildis, doch mit großem Erstaunen sahen wir, daß alles restlos verdaut wurde. Statt Zurückhaltung zu pflegen sind die Schildis danach jedem weißen Kiesel nachgegangen, in der Hoffnung, es seien Knochen. Kalkprodukte und Sepiaschalen haben unsere Tiere immer verschmäht.
In Griechenland und der Türkei haben wir oft gerade an Orten, wo wir es am wenigsten erwartet hätten, Schildkröten angetroffen. Meist wuchs an diesen Stellen kaum ein Kraut, aber Touristen gab es in den Ruinen- städten zu Hauf, einzelne Obstbäume und kurze Zeit zuvor Schafherden. Wir sahen auch wie die Schildis den Schafkot aufgenommen haben. Ebenfalls trafen wir sie unter Pflaumenbäumen, deren Früchte schon am Boden in Gärung übergingen. Es scheint den Kröten gefallen zu haben!


Unsere Schildkröten bekommen natürlich auch Freilauf im Garten, unter unserer Aufsicht,damit nichts geschieht. Sobald die Tage kürzer werden und die Nächte kühl begeben sie sich oft schon in unseren Wintergarten, wo ein auf der Seite liegendes, großes, undichtes Aquarium bereit steht. Mit Gartenerde, Zeitungspapier und genügend Heu richten sich die Tiere nach einer Übergangszeit ihr Winterquartier. Jedes Tier vergräbt sich individuell. Da wir einen ungeheizten (gegen Frost gesicherten) Wintergarten haben, liegt die Temperatur zwischen 4-10 Grad und die Luftfeuchtigkeit ist durch einen Brunnen und die vielen mediteranen Pflanzen recht hoch.
Schwierig sind immer nur die Zwischenzeiten von warm auf kalt oder umgekehrt. Dann wird es durch die Sonneneinstrahlung tagsüber doch recht warm und wir müssen einen Teil des Wintergartens begehbar für die Schildis machen. Bei Licht und Wärme werden sie dann eben dort gefüttert, bis sie endlich ins Freie können.



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23.05.2004 ©Gabriele Berg