Unsere Jacksons Dreihornchamäleons!
ein exotisches Paar.

1977 waren Ralph und ich schon verheiratet, hatten in unserer Wohnung ein Zimmer für unsere Tiere. Als wir dann günstig an ein selbstge
bautes Terrarium kamen, das alle Einrichtungen für Exoten hatte, war der Wunsch da, einmal etwas ganz besonderes zu haben. Chamaeleon jacksonii:
Nicht nur, daß Chamäleons ihre Farbe wechseln können, sondern auch die drei imposanten Hörner des Männchens haben uns sehr beeindruckt. Das mittlere, über der Schnauzenspitze liegende Horn weist nach vorn und ist dabei leicht nach oben gebogen. Die beiden anderen Hörner sitzen seitlich rechts und links über den Augen und sind ebenfalls nach vorn gerichtet. Die Länge des einzelnen Horns entspricht etwa der Kopflänge. Die Weibchen haben keine Hörner.
Vorkommen: im Waldgebiet von Tansania, Kenia. Sie sind tagaktiv, mögen Temperaturen von 24 - 26 Grad, eine nächtliche Absenkung um 10 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit. Futter: Heuschrecken, Fliegen, Raupen, Spinnen, Mehlwürmer, Käfer, Asseln, Tausendfüssler.
Im Zoohandel sahen wir dann das Pärchen Jackson Chamäleons und so haben wir sie gekauft. Sie haben sich sehr schnell an uns und unseren Rex gewöhnt und waren überhaupt nicht ängstlich. Täglich mußte Ralph nun in der Mittagspause, während die Kollegen beisammen saßen, auf der nächsten Wiese Futter fangen. Oft gesehen, aber immer wieder erstaunlich ist, wenn diese Tiere ihre Nahrung abschießen. Die Augen sind in unterschiedlicher Richtung beweglich, zum Fokusieren werden kurz vor dem Abschuß beide Augen auf das Objekt gerichtet, dann schnellt die eingerollte Zunge heraus und - plop - meist bleibt die Beute daran hängen.
Gelingt das aber nicht, wird so manches Chamäleon stinksauer, dabei färbt es sich fast schwarz und wiegt sich bedrohlich hin und her. Vielleicht kommt da der Ausspruch her: sich schwarz ärgern! Ebenso verhalten sich die Tiere wenn sie drohen. Aber meist sind sie gut gelaunt und passen sich farblich der Umgebung an. Wenn der Hund seine Schnauze zu weit in die offene Terrariumstür gehalten hatte, mußte er damit rechnen, daß ein Chamäleon sich an seiner Nase festhielt und mit bedächtigen Schritten, sich immer mit seinen handähnlichen Füßen im Fell haltend, über seinen Kopf hinweg hangelte.
Über die Vermehrung von Chamäleons haben wir damals nichts gewußt, galt laut Zoohändler als äußerst schwierig und in privater Hand aussichtslos.
Wie recht er hatte! Eines Morgens stellten wir fest, daß sich gut 20 Stück winziger, etwa erbsengroßer Chamäleons im Terrarium tummelten. Jacksons Chamäleons sind lebendgebärend. Nun galt es schnell zu handeln, denn außer den Chamäleons waren noch einige Geckos und Kleinechsen im Terrarium, die sich alle über die frische Fleischkost gefreut hätten. So haben wir die Kleinen vorsichtig herausgenommen, in ein separates Plastikbecken gesetzt. Als Wärmequelle die Schreibtischlampe darüber montiert (so eine mit verstellbaren Armen, die man am Schreibtisch anmontieren kann) und nichts wie los, Nahrung besorgen. Am besten wären Drosophila-Fliegen geeignet gewesen. Doch leider war kein Institut bereit uns Fliegen abzugeben und die Zoohändler verkauften damals noch keine Futtertiere. So sind wir mit großer Sorge nach Hause gefahren und hier hatte sich inzwischen eine Tragödie abgespielt. Die Schreibtischlampe war wohl nicht in Ordung. Jedenfalls hatte sich der Arm mit der Glühbirne immer weiter hinabgesenkt, bis er auf dem Plastikbecken auflag. Dadurch war die Hitze so gestiegen und die Luft so trocken geworden, daß alle Babies mumifiziert waren.
Ein halbes Jahr später fand die Chamäleon-Episode ein schnelles Ende. Innerhalb kurzer Zeit starben beide Tiere ohne vorherige Anzeichen. Eine Untersuchung ergab, beide waren an Tuberkulose erkrankt. Das sei bei Reptilien gar nicht so selten wurde uns mitgeteilt.
Inzwischen war auch der Zoohandel immer kommerzieller geworden. Das einzelne Tier spielte keine Rolle. Hauptsache die kaufmännische Ausbildung war gut. Über die einzelnen Tiere und ihre Bedürfnisse bekam man in den Geschäften damals so gut wie keine Auskunft. Daher haben wir das Terrarium stillgelegt. Es kam dann ja auch bald die Zeit, die eigenen Kinder aufzuziehen.
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