Meine Hasen und Meerschweinchen!Gabrieles Hundeersatz: ![]() Ich wollte immer und ausschließlich wieder einen Hund. Da ich den aber nicht bekam, waren alle danach gehaltenen Tiere nur Ersatz. Nicht daß ich sie nicht geliebt hätte, aber mit einem Hund wäre alles perfekt gewesen. Eines schönen Tages, an Ostern, bekamen wir zwei Stallhasen von Verwandten auf dem Land. Mein Vater hatte die Hasenställe gezimmert und für Heu, Stroh und Löwenzahn war gesorgt. Natürlich hatte ich mich sofort in die Häschen verliebt und nicht kapiert, daß diese der Braten an Weihnachten sein sollten. Zunächst lief alles hervorragend. Die Tiere waren lieb und schmusig, lebhaft und lustig, wenn sie den Garten eroberten, geduldig und gelassen, wenn der Stall gemistet wurde. Um mich von der "Tierliebe" zu kurieren, hatte man mir die Verantwortung für die Hasen übertragen. Am Anfang war das auch kein Problem. Die Arbeit mit den Tieren war neu und interessant. Doch schon bald wurde es lästig, mittags statt mit Freundinen zu spielen, Löwenzahn auf der großen Wiese zu stechen. So mußte immer häufiger meine Oma die unangenehmen Tätigkeiten übernehmen. Eigentlich hätten alle dies vorausahnen können, denn bereits als kleines Kind hatte ich eine Vorstellung über mein späteres Leben: Meine Eltern sollten die Hecklinger Burgruine kaufen, einen Zoo daraus machen, Vater wäre fürs Bauen, Mutter für die Küche, Oma für das Ausmisten und ich hauptsächlich für die Tiere und die Kasse zuständig gewesen. Darum wollte ich ja auch Tierarzt werden!Um dem Zoo näher zu kommen, durfte mir ein Bekannter 3 Meerschweinchen schenken. Nach wenigen Monaten hatten wir ein ganzes Rudel und so mußte selektiert werden. 3 Männchen durfte ich auswählen und behalten. Ich gab ihnen die Namen: Hops, Stops und Peterle. Den Rest haben meine Eltern fortgebracht. Damit ich nicht zu traurig wurde, hatten sie mir erzählt, die Meerschweinchen seien im Waldkircher Tiergehege gut untergebracht. Sie waren sogar so dreist, mich dort hinzufahren, wo ich eine Menge Meerschweinchen sah. Viel spä ter erst erfuhr ich, daß meine Tiere einer großen Schlange als Nahrung dienten. Aber meine drei, Peter, Hops und Stops waren mir sicher. Gemeinsam mit den Stallhasen durften sie unter meiner (und meiner Omas) Aufsicht im Garten toben. Der Versuch Meerschweinchen an einer Leine auszuführen mißlang gründlich. Die Tiere fühlten sich angeleint überhaupt nicht gut und versuchten jedes dunkle Loch, oder eine Hecke zu erreichen. Ansonsten war es ein gutes Gefühl, zu merken, daß man erwartet wird. Die Hasen waren ja stimmlich nicht so ausgeprägt, aber die Meerschweinchen konnten wunderbar pfeiffen. Sie wußten genau, wann ich Schulende hatte und begrüßten mich lautstark. Nach dem ein halbes Jahr vergangen war, hatte ich das mit dem "Braten" gerochen, aber alles betteln half nichts. Ich mußte lernen, daß das Fleisch, das wir essen vorher immer ein Tier war! Einen kleinen Teilerfolg habe ich dennoch errungen. Die Hasen wurden erst geschlachtet, als die Häsin Junge groß gezogen hatte und die Hasenkinder die Ställe brauchten. Der Weihnachtsbraten war nachweislich immer ein gekaufter Hase. Die eigenen gab es erst nach einer Aufenthaltsfrist in der Tiefkühltruhe irgendwann unterm Jahr. Damit konnte ich leben, trotzdem hatte ich alle Hasen mit Weihwasser getauft, damit wir uns später im Himmel einmal wiedersehen können. Bei den Meerschweinchen brauchte ich mir keine Gedanken an Braten zu machen, obwohl ich heute weiß, daß die Peruaner sie gerne essen. Eines Tages aber als ich nach Hause kam, saß Peterle ganz apathisch im Gehege und da sah ich, daß ihm zwei Zehen so stark eingerissen waren, daß sie buchstäblich an einem Faden hiengen. Sofort war klar, da muß geholfen werden. Ich legte Mutters beste, weiße Damastdecke auf den Küchentisch, kochte Pinzette und Schere eine halbe Stunde aus, richtete mir ein Glas Schnaps, bereitete mich mental auf meine erste Operation vor und richtete Verbandsmaterial her. Dann mußte alles sehr schnell gehen. Peterle hatte nicht einmal Zeit richtig aufzuschreien, da hatte ich bereits die zwei Zehen amputiert und einen Verband angelegt. Einige Zeit später, als ich wieder nach ihm schaute, hatte er den ganzen Verband abgebissen und schleckte sich seine Wunde, die einige Tage danach verheilt war.
Meine Meerschweinchen wurden etwa 12 Jahre alt, bis sie eines natürlichen Todes eins nach dem anderen starben. |