Rex, Münsterländer

Unser Rex, ein Münsterländermix!


Endlich wieder ein Hund!

Weil nach dem Tod meines Rexles, meinem Wunsch nach einem Hund nicht entsprochen wurde, habe ich schon als Kind ständig prophezeit, daß ich von meinem ersten Gehalt einen Hund kaufen würde. Nun war es soweit. Ralph und ich sahen uns im Freiburger Tierheim um. Ein kleiner Münsterländer machte gehörig durch Bellen und Hochspringen auf sich aufmerksam. Wir erfuhren noch, daß er bei einem Unfall, dessen Opfer alle tot waren, halbtot gefunden wurde. Die Tierärzte mußten ihn lange behandeln, bis sein linkes, hinteres Bein wieder in Ordnung war. Davon merkte man überhaupt nichts mehr. Auffälliger war da schon, daß der Hund um die Schnauze eine tiefeingeschnittene Narbe hatte. Jemand mußte ihm die Schnauze mit Draht zugebunden haben. Die Formalitäten waren schnell erledigt und wir fuhren gemeinsam nach Hause.
Da war der Teufel los! Meine Eltern waren sprachlos bis sauer, weil ich mir einen Hund angeschafft habe. Aber Rex, wie er selbstverständlich (siehe Bericht Rex 1) nun hieß, war so ein Schmuser, daß er die Herzen aller bald eroberte. Trotzdem war die Zeit recht stressig. Nicht selten bekam ich zu spüren, daß mein Hund sich wieder einmal daneben benommen hatte. Unser Rex war ja auch erst ein einjähriger Rüpel und mußte erzogen werden.
Doch da spürten wir bald unsere Grenzen. Was immer dieser Hund zuvor erlebt hatte, er blieb unberechenbar gegenüber Fremden. Trotz vieler geduldiger Versuche, mit Lekkerlis und Lieblingsspielzeug änderte sich nichts. Unterschiedlich lange war er freundlich zu unseren Besuchern, um dann um so unvermittelt zuzubeißen. Es blieb uns also nichts anderes ü,brig, als ihn einzusperren, wenn Besuch kam.
Dies änderte sich auch nicht, nach dem wir geheiratet hatten und in unsere erste, gemeinsame Wohnung zogen. Wir hatten uns extra wegen des Hundes im ländlichen Raum niedergelassen. So war es uns trotz Berufstätigkeit möglich, viel mit ihm spazieren zu gehen. Die tägliche Mittagspause wurde dem Gassigehen geopfert!
Wäre die Verhaltensstörung nicht gewesen, wir hätten den perfekten Hund gehabt: Immer hochglänzendes Fell, bis auf einen kleinen Autounfall keine Krankheiten. Es gab nur noch eine Macke. Rex war verfressen. Wollten wir im Garten eine Ernte erleben, durften wir ihn nicht aus den Augen lassen. Radieschen, Rettiche, Gelberüben, Himbeeren, selbst Brombeeren übten eine ungemeine Anziehung auf ihn aus. Äpfel und Maiskolben waren vor ihm nie sicher. Letztere holte er sich selbst vom Feld, was mancher Bauer mit Drohgebärden qittierten.
Als ich von der Entbindung nach Hause kam, war Rex der erste, der unseren neugeborenen Sohn Thomas, begrüßen durfte. Ausgiebig wurde er beschnüffelt und geprüft, offensichtlich für gut empfunden. Solange er nicht krabbeln konnte, brauchten wir uns keine Sorgen zu machen. Erst dann wurde es stressig. Nach der Geburt von Michael hatte uns unser alter Onkel beim Gassigehen sehr unterstützt. So war Rex viel mit ihm gemeinsam unterwegs und hat sich völlig angepaßt. Beide waren dann schwerhörig und ein bischen tüttelig. Kaum zu Hause, hörte der Hund im Dachgeschoß, wenn wir im Erdgeschoß eine Tafel Schokolade auspackten. Da war nichts von irgend welchen Alterserscheinungen zu spüren. Als die Kinder nun das Kindergartenalter erreicht hatten und damit zu rechnen war, daß vermehrt fremde Kinder zu uns kommen würden, dann auch noch der Onkel starb, blieb nach Absprache mit dem Tierarzt leider nur ein Einschläfern unseres Rexes übrig. Für beide, den Arzt und mich, war das eine schwierige Entscheidung. Aber Rex wäre nicht an andere Leute vermittelbar gewesen und für Kinder einfach zu gefährlich. Er starb dann in meinen Armen.
Ich glaube, nach heutigem Standart hätten wir den Hund vom Tierheim gar nicht bekommen, schließlich waren wir unerfahren. Heute wäre auch kaum ein Tierarzt bereit, den Hund einfach einzuschläfern.
Aber uns ist die Erinnerung an einen prima Kumpel, der uns stets auch Schutz war, geblieben.


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10.09.2000 ©Gabriele Berg