Mein erster Hund - Rex,
ein Terriermischling!
Gabrieles Liebeserklärung an ihren Freund aus Kindertagen!
Einige Jahre bevor ich geboren wurde kam mein Vater bei einer Motorradfahrt durch den Schwarzwald dazu, als ein Bauer kleine "Viecher" in einem Weiher ertränkte. Es gelang ihm ein kleines "etwas" zu packen, steckte es vorn in seine Lederjacke und fuhr sofort, so schnell es nur ging, nach Hause. Erst dort erkannte er, daß es sich um einen jungen Hund handelte. Mein Vater verstand nicht viel von kleinen Hunden, aber er wollte, daß es ihm von nun an gut gehen sollte. Deshalb bekam er den Namen Rex, so heißt ein guter, ordentlicher Hund eben. Dabei wurde übersehen, daß es sich bei dem Tier um ein Weibchen handelte! Dieser Rex also entwickelte sich zu einem wachsamen, treuen und absolut friedlichen Hund. Meine Eltern lebten damals zusammen mit meinen Großeltern in einer Dienstwohnung. Großvater war Hausmeister an einer Freiburger Schule und hatte die "Schlüsselgewalt über Schule und Schulhof". Immer schon galt es unter den Jugendlichen und Kindern des Stadtteiles, Blödsinn, Mutproben und sonstigen Unsinn rund um die Schule anzustellen. Doch das hatte ein Ende, als Rex die Aufsicht übernahm. Sie konnte rasend, die Lefzen hochgezogen, knurrend oder bellend auf die Kinder losrennen, aber zubeißen wollte sie nicht. Da die Rabauken dies lange Zeit aber nicht wußten, hatten sie selbst vor so einem kleinen Hund riesigen Respekt. Außerdem hat der Lärm dafür gesorgt, daß mein Großvater auf sie aufmerksam wurde.
Als ich dann auf der Welt war, hatte Rex sowieso eine neue Aufgabe übernommen. Als Weibchen hat sie in mir wohl ihren Nachwuchs gesehen. Auf jeden Fall war es für Fremde schwer, in meinen Kinderwagen zu sehen und sich zu "entzücken"!
In Null komma Nichts sprang die Hündin hoch und setzte sich knurrend auf die Wagendecke. So entgingen mir viele unnötige Vergleichsanalysen, wem ich wohl ähneln würde, ob ich wohl Haare hätte und dergleichen.
Meine Großmutter las mir morgens und abends im Bett Geschichten vor und Rex lag selbstverständlich unten an meinen Füßen. Meine Mutter konnte so immer sicher sein, daß meine Füße warm waren.
Als ich jedoch, in der Trotzphase mit 2 oder 3 Jahren, beschlossen hatte, gemeinsam mit meinemHund nur noch aus einem Napf zu essen, hatte ihre Geduld ein Ende. Nun sollten sowohl Hund, als auch Kind erzogen werden. Mit wenig Erfolg, wie sich bald darauf zeigen sollte.
Rex, der nie einen Bissen vom Tisch geholt hat, der nur fraß, was man ihm gab, verweigerte die Nahrung. Ich, die immer schon heikel mit dem Essen war, spuckte das meiste im hohen Bogen wieder aus. Meine Mutter, die Ärmste, war ganz schön mit den Nerven fertig, als meine Großmutter eine tolle Idee hatte: Jeder bekommt den gleichen Napf, aber nicht denselben! So kam es, daß ich einen Emailleteller mit rotem Rand bekam und Rex den gleichen mit einem blauen Rand. Nun kehrte erst einmal Ruhe ein, meist dauerten ja solche Marotten nur kurze Zeit.
Als ich fast fünf Jahre alt war, geschah das Unfassbare. Unser Rex wurde sehr krank und die vielen Tierklinikbesuche endeten schließlich damit, daß wir ihn einschläfern lassen mußten. Der Krebs hatte alle Organe und schon die Knochen befallen. Meine Trauer war natürlich unbeschreiblich, da ich damals kein Geschwisterchen hatte und die Hündin so mein Ein und Alles war. Einzig der Gedanke, eines Tages im Himmel wieder vereint zu sein, brachte einen kleinen Trost.
Meine Oma hatte dann veranlaßt, daß der Hund präpariert werden sollte. Der Gerber aber hat sie wohl falsch verstanden, denn einige Wochen nach dem Tod der Hündin, kam ein riesiges Paket mit der Post. Wie üblich, für kleine Kinder bedeuten Pakete immer eine Überraschung. Ich durfte es öffnen - es kam das Fell meines Rexes zum Vorschein. Der Kopf war ausgestopft, der Rest gegerbt, wie ein Bettvorleger. Wie der Tiger bei "Dinner for one"!
Ich gab das Fell nie wieder her. Es war dabei, wenn ich in den Kindergarten ging, beim Essen, beim Spielen, beim Schlafen, egal. Natürlich bin ich oft darüber gestolpert, denn es war ja zu lang. Doch auch da hatte meine geniale Oma wieder eine Idee. Sie schlug das Fell in der Hälfte um, nähte die Naht rechts und links zu und fertig war mein "Riesenmeerschwein". So sah es jedenfalls aus und da Meerschweinchen in den 50er Jahren noch was fremdes und unübliches waren, glaubten das auch viele. Nun nahm ich Rex eben so überall mit hin. Er war meine Puppe, mein Stofftier, mein Schmusebär - er war immer noch alles für mich.
Jahre vergingen, ich war inzwischen verheiratet und aus dem Haus, da träumte ich nachts von meinem Rex. Der Traum war so intensiv und als ich ihn später meiner Mutter erzählte, meinte sie, sie war dabei den Speicher auszumisten und dabei sei ihr auch mein Rex in die Finger gekommen. Es sei ja nun Zeit, sich von dem Fell zu trennen und es wegzuschmei&szklig;en. Nie und nimmer! Heute liegt mein Rex, der übrigens noch wie ein lebender Hund riecht und immer noch keine Mottenlöcher hat, in meinem Kleiderschrank ganz hinten. Es genügt mir zu wissen, daß er da ist!
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